"How-to" Rocking Houston

Notizen eines USA-Novizen
Fr, 18.10.2002

 

 


Noch ein paar Bildchen aus Galveston

 

 


 

 


 

 


 

 


Broadway...aber nicht in NYC, nur in Galveston

Auflösung des Cliffhangers vom 10.10.: Ich habe mich langsam wieder beruhigt. Grund für meinen Aufreger waren so diverse Nummern, die mir hier unterschiedliche Herren Dozenten präsentiert haben.

Da wäre zunächst der Kurs mit den mehr als reichlichen Hausaufgaben.

Der Dozent keinen Plan von irgendwas, aber den dicken machen. Bevor ich hier ankam, wurde ich schon gewarnt: Der Mann, der hier aktuell das Ruder der Fakultät in der Hand hält, ist so was wie ein Pendant zu unserem frischgebackenen Ex-Dekan. Oh ja, mein Informant sollte ja so was von recht behalten.

Eine so präzise Aufgabenstellung, dass man einfach nur den Finger in den Hals stecken möchte.

Gepaart wird das ganze durch kleine, aber feine Statements in der Vorlesung (Nicht-Informatiker dürfen die nächsten Zeilen gerne überspringen). Da gibt der Dozent also z.B. zum Besten "HTML is an application of XML". Wir wollen ja nicht pingelig sein, aber für eine Veranstaltung über "Internet Computing" halte ich das doch gelinde gesagt für etwas unpräzise. Zumal durchaus SGML ins Spiel gebracht wurde. Aber nun ja. Schön auch die Folien zum Programm. Da steht auf einer, um mal bei XML zu bleiben, dass die Spezifikation schön schlank wär und ausgedruckt nur 32 Seiten füllt. Das steht auf ┤ner Powerpoint-Folie!! Sorry, aber das ist ja wohl völlig unwesentlich und so ungefähr das Letzte, was in eine Präsentation gehört, zudem ist die Aussage als solche natürlich völlig wertlos, weil er sich auf das entsprechende HTML-Dokument bezog und damit die Anzahl der Seiten mit Hilfe etlicher Faktoren auch deutlich schwanken kann. Ich hätt noch andere Beispiele, dass soll an dieser Stelle aber genügen. Kurzum, ich zweifel hier so einiges an.

Aber apropos präzise, und nun komme ich endlich zu dem Hauptgrund, warum ich vor einer guten Woche gehörig am Rad drehte. Das Übel lag nämlich nicht mal bei dem eben beschriebenen Kurs, sondern bei meiner abendlichen Zusammenkunft zum Thema Netzwerke. Der dozierende Onkel macht an sich einen ganz vernünftigen Eindruck. Die Vorlesung wird sehr entspannt geführt. Ich erinnere mich noch an den ersten Tag, an dem sich der Lecturer mit den Worten vorstellte: "Ich bin Mr. éI love questions'".

Aufbauend auf diesem Gedächtnisfetzen, dachte ich mir, anlässlich einer anstehenden Homework und einer etwas unpräzisen Frage, einfach dem guten Herren mal eine Mail zu schicken, um meine Unsicherheit in dieser Frage zu klären.

Ich bekam auch eine Antwort. Zumindest bemerkte ich dies, als ich als mich von dem virtuellen Hieb mit dem Baseballschläger erholt hatte, um mal eine amerikanisch wirkende Metapher zu bemühen. Da stand also mehr oder weniger deutlich zu lesen, dass ich doch, bitte schön, im Zweifelsfalle einfach "vermuten" sollte und dass eine Fähigkeit, über die ein "graduate student" auf jeden Fall verfügen sollte, das Anstellen von Vermutungen sei. In diesem Kurs und in jedem anderen. Bratz!!! Das wäre der beste Ansatz, wenn fremde Hilfe nicht verfügbar wäre. Assumptions! Bratz!!! Ist sie aber, dafür gibt es ja den Dozenten. Ich musste mich schwer beherrschen, ihm nicht ausführlich in einer erneuten Mail darzulegen, dass nach meiner Meinung es besser ist, lieber zweimal, als keinmal nachzufragen. Egal.

Das war jetzt aber auch noch nicht der Punkt. Ich vollende also brav meine Hausarbeiten und gebe sie guten Gewissens ab. Im Gegenzug wird eine Musterlösung ausgeteilt. Daheim angekommen, sichte ich diese erst mal und stelle relativ schnell fest, dass mir offenbar schon mal lockere 30% der erreichbaren Punkte fehlen werden. Unmut macht sich breit. Uns wurde vorher schon klar gemacht, dass es nur die Versionen "volle Punkte" oder "gar keine Punkte" für eine Aufgabe gibt. Das heisst im Klartext, kommt hinten das falsche raus - null Punkte. Klar, ist ja auch leichter und schneller zu korrigieren... schnell stellte ich dann fest, dass mindestens in einem Fall eine unterschiedliche Interpretation der Aufgabenstellung zu einem anderen Ergebnis geführt hat (durch die Kommasetzung!), in einem anderen Falle, ich nach wie vor von der Korrektheit meiner Lösung überzeugt war.

Die Folge also war, dass, ausgehend von dem Normalhals (etwa so |--| ), meiner in etwa so aussah: |-----------|.

Nun gut, sich lange darüber aufzuregen, bringt nichts und ich tue es ja auch nicht. Wenige Tage später, vermeldete der Dozent kleinlaut, dass ihm "da wohl Fehler unterlaufen seien". Kann passieren, Dozenten sind auch nur Menschen, zeugt aber nicht gerade von einer grossen Zuverlässigkeit. Und: Wenn er etwas falsch macht, bekommen wir auf jeden Fall die Punkte. Ist zwar schön, dass die Punkte also kommen, von Fairness zeugt es jedoch trotzdem nicht gerade. Eeeegal.

Nach diesen Dramen war ohnehin tief durchatmen angesagt, da in der soeben zu Ende gegangenen Woche meine ersten Klausuren auf dem Plan standen. Die Netze-Prüfung war zeitlich sehr knapp bemessen, aber ich denke, ich dürfte recht gut abgeschnitten haben. Mein Midterm Exam für Internet Computing war allerdings ein erneuter Grund, warum ich hier immer mehr Risse in meine Zimmerwand bekomme - vom mit dem Kopf dagegen schlagen.

In besagtem Falle fühlte ich mich so was von auf den Arm genommen. Ich habe selten eine so dämliche Klausur geschrieben. Ausgang: Ungewiss. Man musste fast nur programmieren. Trotz ja vorhandener bester technischer Möglichkeiten - nur auf dem Papier! Ich kann mich entsinnen, das auch schon vor 10 Jahren in der Schule mit Pascal getan zu haben. Aber wie gesagt, da war das technische Equipment auch irgendwie ein anderes. Um hier zu bestehen, musste man also die Syntax von Perl und von Modulen, die wir 5 Minuten im Unterricht angesprochen, aber nie benutzt hatten, auswendig lernen. Das kann es nicht sein!!! ...und ist an Praxisferne nicht zu überbieten. Naja.... ihr wisst schon: Egal.

Für meine erste Prüfungsphase konnte ich mich dann erst mal mit der Live-Übertragung des 3.Praxisforums aus dem grossen Hörsaal der FH in Lüneburg belohnen. Mitten in der Nacht. Mit Chips und Bier. War auch sehr lehrreich, besonders der Meister, der uns darüber aufklärte, dass Cobol die Grundvoraussetzung für alles ist. "Wenn Sie Cobol kennen, haben Sie die Logik drauf. Ohne geht's nicht. Mehr will ich gar nicht sagen."

Auch sehr schön der Vergleich zwischen dem geheiligten Cobol auf der einen Seite und HTML und Java auf der anderen, mit denen Programme ja viel, viel länger werden würden. Schade nur, dass HTML keine Programmiersprache ist. Aber nun ja, hey, Feinheiten... wie auch immer, ich habe mich sehr über die bewegten Internet-Bilder aus Lüneburg gefreut. Ich sehe, es ist alles beim alten.

Tut mir leid, dass ich Euch diesmal mit so banalen Dingen langweilen musste - es war einfach nichts anderes los. Die Woche im Zeichen der Prüfungen sozusagen. Ansonsten geht's mir gut. Die Verbrennungen fünfzehnten Grades sind auch fast wieder abgeklungen; ich habe eine Mail bekommen, die mich WIEDER einmal hoffen lässt, dass sich mit der Höhe meiner Studiengebühren was tut und.... ich bin wieder frohen Mutes für die nächste Homework. Abgabe ist in vier Tagen...

Monte Miersch

< zurück weiter >